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Nachmittag in Sarajewo

 

Am oberen Ende der Altstadt von Sarajewo befindet sich ein Brunnen, den man den Taubenbrunnen nennt . Er heißt wahrscheinlich wegen des Taubenschwarms so, der dort herum regelmäßig seine Kreise zieht. Es hing heute Nachmittag wieder Hochnebel über der Stadt, die Sonne brach nur ab und zu durch den Dunst, gerade stark genug, um einen zu blenden. Ich war froh in einem Café dort oben einen Platz draußen im Sonnenschein zu finden. Kaum dass ich mich hingesetzt hatte, bestellte ich auch schon bei dem Kellner meinen Espresso. Und dann, urplötzlich, flogen die Tauben dicht über den Köpfen der Cafébesucher ihre Bahnen. Man konnte sogar einen Luftstoß fühlen, wenn sie über einen daher pfiffen. Aus welchem Grund auch immer, fühlte ich mich in diesem Augenblick auf eigenartige Weise sehr heimisch. Ich dachte daran, dass sich Gott für einen kurzen Augenblick gezeigt hatte, dort, während ich an der Moschee vorbei in die vom Nebel eingehüllte Sonne schaute. Ich bemerkte, dass eine Familie, zumindest schien es eine Familie zu sein, einen Platz suchte. Da ich mit meinem Espresso fertig war, habe ich ihnen meinen Tisch angeboten. Ich hatte dort alles erfahren, das es zu erfahren gab. So ging ich in das dunkle Café rein, legte zwei Geldstücke auf den Tresen und verabschiedete mich. Ich lief zunächst durch die volle Altstadt. Ich schreibe "volle" Altstadt, da sie meiner Meinung nach, heute besonders gut besucht war. So tauchte ich in der Menge ab, beobachtete die Leute, schaute  hier und da nach einer schönen jungen Frau, fragte mich, ob man mir ansehen konnte, dass ich nicht von hier bin, dass ich ein Besucher, ein Gast höchstens, bin. Irgendwann bog ich in Richtung des Flusses, ich kann mir seinen Namen einfach nicht merken, ab, und spazierte am Flussufer entlang in Richtung unseres Hauses. Dieses liegt oben auf dem Hang, der Aufstieg ist anstrengend, dafür wird man aber mit einem schönen Blick auf die unten liegende Stadt belohnt. So kam ich am frühen Nachmittag nach Hause, und obwohl ich nicht gerade etwas weltbewegendes erlebt hatte, war ich doch erfüllt von dem Gefühl etwas erlebt zu haben, ich war wohltuend entspannt und sogar etwas glücklich.